Wie alles entstand ...

Es war ein lauer Freitag-Sommerabend im Juli des Jahres 2004. Ich war gerade auf dem letzten Schulfest unserer Tochter in ihrer Grundschulzeit. Plötzlich klingelte mein Mobiltelefon. Das darf doch nicht wahr sein, wer stört mich da so kurz vorm Wochenende? Annehmen? Einfach wegdrücken? Abweisen? Was soll ich nur tun?
OK - es ist nicht ganz so dramatisch, wenn ich mich jetzt nicht direkt melde. Aber es könnte ja auch was  Wichtiges sein. Ein Notfall in der Klinik, ein Kollege, der einen Rat braucht, oder auch nur ein Kunde, der mit  einem Auftrag droht .... Tausend Gedanken drängen sich im Bruchteil einer Sekunde durch meine Hirnrindeund letztlichnehme ich das Gespräch tatsächlich an.
Ich verdrücke mich also aus der Aula unserer Grundschule, die damals zu meiner Zeit irgendwie größer war.

Hmmm, 'unbekannter Teilnehmer'. Warum können die Leute nicht ihre Nummern frei schalten. Dann wüßte man wenigstens, was auf einen zukommt. Hoffentlich artet das jetzt so kurz vor dem Wochenende nicht wieder in Arbeit aus.
'Andreas Kuhl, guten Tag!' - gespannt und voller Erwartung'Hallo Andi, hier ist der Hans-Martin Richter!erinnerst du dich an mich?'

Wie könnte ich 'Ha-Ma-Ri' je vergessen. War er nicht vor einigen Jahren bei uns als 'Hilfssheriff' unterwegs. Also als zweiter Prediger in unserem Chrischona-Gemeindebezirk. Wenn man sich auch an nichts erinnern sollte, das 'Halleluja' von Ha-Ma-Ri schallt immer noch durch die Ohren und Erinnerungen unserer Gemeinde.
Klar, Hans-Martin war schon seit vielen Jahren bei der ÜMG, und wir trafen uns seit Jahren im Herbst auf der Konferenz in Mücke-Flensungen. Dort durften wir mit unserem Jugendchor schon etliche Male das Fest mit gestalten. Aber was will er denn schon im Juli? ... Damals ahnte ich noch nicht, dass dieses Telefonat durchaus in viel, viel Arbeit enden würde, aber auch so manches Leben verändern könnte.

'Du, Andi, ich hab' da mal so eine Idee'
Wenn er schon so anfängt! Ha-Ma-Ri's Ideen sind bekannt dafür, auf einer Kreativitätsskala von 0 bis 10 eine klare 11 zu bekommen.

Kurzum, er berichtete mir von einem Musical über das Leben von Hudson Taylor, das irgendwann Ende der 80er Jahre in Neuseeland entstanden war und produziert wurde. Am Telefon spielte er mir die ersten Takte vor, verbunden mit der Frage, ob wir es uns vorstellen könnten, als Jugendchor  'Online' dieses Musical nach Deutschland zu holen.

Geplant war das Projekt für das Jahr 2005, in dem sich der Todestag von Hudson Taylor zum 100sten Mal jähren sollte. Zur Aufführung kommen sollte es im Rahmen des Leiterwechsels der ÜMG Deutschland im Herbst 2005.

'Traut ihr euch das zu?' so seine ermutigende Frage am Schluss unseres Telefonates.

Was soll ich sagen? 'Klar doch' - und viel Arbeit einheimsen? Oder: 'Nein, nein, das schaffen wir nicht' - und wieder meine Ruhe haben? Gibt es einen  Mittelweg? Vielleicht nur ein bisschen 'Ja' sagen?
Erste Strategie, wenn man nicht spontan genug ist: 'Das muss ich erst einmal prüfen! Schick mir doch mal die CD!' - Das hat er dann auch gemacht!

Nachdem wir uns mit Hilfe der CD und den ebenso erhaltenen Noten schlau gemacht hatten, was 'Edge of tomorrow' ist oder sein will, sind wir schnell zu dem Schluss gekommen, dass es so einfach nicht 'in den deutschsprachigen Markt' zu übertragen ist. Wie viele Lieder davon sollten wir auf deutsch singen? 10%, ein Viertel, die Hälfte OK, ALLE! - Das heißt:  'Übersetzungsarbeit! ' 

Inzwischen hatten wir auch eine Playback-CD erhalten, die wir gerne als Grundlage für unsere Version genommen hätten. Nur leider waren diese Playbacks nicht ganz ohne Stimmen. Hier und da kam dann doch mal ein englischer Chor oder britische Sätze und Worte zum Vorschein.
Was folgern wir daraus: die CD war nicht brauchbar. Also: 'Musikmacharbeit!'

Wenn wir schon mal dabei sind. Die Musik entsprang Wayne Wright Ende der Achtziger. Wenn wir schon die Musik neu produzieren müssen - dann im Stile des neuen Jahrtausends!

Ach ja, vor lauter Arbeit, in die wir uns schon gestürzt hatten, hatten wir beinahe vergessen unserem Auftraggeber Ha-Ma-Ri eine deutliche Zusage zu geben. Nun, das ist inzwischen geschehen! :-)

Es kehrte nun etwas Ruhe in die Arbeit mit 'Edge of tomorrow' ein. Der Jugendchor Online feierte sein 10-jähriges Bestehen. Das mit einem zünftigen Konzert begangen wurde. In dieser Zeit musste das Musical ruhen

Ab März war es dann endlich soweit, dass wir uns so richtig in die Arbeit stürzen konnten. Die ersten Aufführungstermine vor Augen trafen wir uns in den Reihen der ÜMG, zum Organisieren, schrieben wir Manuskripte und Textpassagen, versuchten wir uns ein Bild von der Musik zu machen.

Es herrschte reichlich E-Mail Verkehr zwischen den Übersetzern der ÜMG und uns. Mit viel Liebe zum Detail wurden Passagen ausgearbeitet und in Prosa gesetzt, Interpretationen versucht und das Englische auf das Deutsche versucht passend zu machen.

Der Titel!? Wie soll das Stück nur heißen? Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Letztlich kam dann die fast wörtliche Übersetzung des Originaltitels zum Zuge: 'An der Schwelle zu morgen'.

Nachdem die Chorsätze überarbeitet und ergänzt wurden, ging es ans Üben. Chor und Solisten erarbeiteten sich die Stücke und versuchten sich damit zu identifizieren. Ein Vorhaben, das seine Zeit brauchte. Eine große Hilfe war uns eine Video-Aufnahme einer Aufführung in Kanada aus dem Jahre 1995. Sie half uns etwas mehr Plastizität in das Stück zu bekommen. In der aktuellen Inszenierung haben wir uns stark an dieser kanadischen Aufführung orientiert.

Die Zeit der Proben ging ins Land. Die Requisiten wurden besorgt. Die Mitarbeiter der ÜMG schafften es, die Original-Kostüme der Aufführung aus Kanada zu besorgen. Damit waren wir der Story noch ein Stück näher und vertrauter.

Herausforderung Hintergrundkulisse. Es ist gut, einen Künstler in der Bekanntschaft zu haben. Carlos Roncal, Musiker, Maler und Allroundtalent gestaltete die Kulisse in 'malerischer Handarbeit' - man fühlt sich in die jeweilige Szene hineingemalt. Wir konnten meinen Vater Werner Kuhl gewinnen, eine neu entwickelte Kulissenkonstruktion zu bauen, die ein schnelles Handling auf der Bühne gewährleistet.

Doch die wohl allergrößte Herausforderung war das Neuarrangement der Musik. Markus Pfeifer hat hier wieder einmal Unmögliches möglich gemacht und die Lieder in ein modernes und wohlklingendes Soundkleid gefasst. Respekt. Die Stunden und vor allem Nächte, die dafür drauf gegangen sind, lassen sich nicht zählen.

Die Vorbereitungen näherten sich dem ersten Höhepunkt, der Uraufführung am 11. Juni 2005 in Schwäbisch Gmünd. Wir konnten das A-Team aus Reiskirchen gewinnen, für den richtigen Live-Sound zu sorgen. Die Planungen und Vorbereitungen waren so gut wie abgeschlossen da erkrankte unser Hauptdarsteller Hudson (Christoph).
Krank - Mandelentzündung - Krankenhaus - Operation - Singen ausgeschlossen! -> DER HAMMER!

Was tun? Ratlosigkeit! Sollte jetzt alles platzen? Die ganzen Mühen und Strapazen der Vorbereitung umsonst gewesen sein?

Hier konnten wir zum ersten mal BEWUSST die Grundaussage des Musicals erleben:' Du führst über Berge!' und das tat Gott auch.

Wie und wo treibt man schnell einen Ersatz-Hudson auf? Geht das überhaupt? Fragen über Fragen stellten sich uns in dieser Situation. Eine gute Woche vor der Uraufführung, und der Hauptdarsteller liegt im Krankenhaus.

Doch Gott hat Lösungen parat, mit denen keiner rechnen konnteEs waren wieder einmal die guten Kontakte der ÜMG, die uns zu Matthias Hartmann führten. Einem Studenten aus dem Umfeld der ÜMG, der gerade nichts 'Besseres' vorhatte, als sich innerhalb einer Woche über 30 (!) Songs draufzuschaffen, sich mit einem ihm völlig unbekannten Chor auseinanderzusetzen und in die nicht einfache Rolle des Hudson Taylor hineinzuversetzen. Auch mehrere hundert Kilometer Distanz waren kein Hindernis, das Experiment auf sich zu nehmen.

Für uns eine schier unfassbare Leistung, die Matthias da erbracht hat. Die Stücke beherrschte er schnell, die Rolle war ihm wie auf den Leib geschrieben. So meisterte er drei Auftritte hintereinander und erntete den Respekt und die Hochachtung des Chores und aller Zuhörer!

Stichwort Premiere! Nie werde ich die Minuten vor der ersten Aufführung vergessen. Absolute Hilflosigkeit, keine eigene Kraft mehr. Nur noch der eine Satz: 'Herr, wir können nicht mehr, mach Du jetzt was daraus!'

Und das hat er getan. Du führst über Berge 2. Teil! Halleluja!

Nach den ersten Auftritten ging es dann an die Entscheidung CD Produktion - ja oder nein? Viele Gönner und Förderer, allen voran meine Schwester Conny Metzger und Martin Maurer ermutigten uns dazu, die CD in Angriff zu nehmen. Ein Verlag wurde gefunden, die zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen abgesteckt und das Projekt in dem uns gut bekannten 'tune-up music' Studio in Langgöns/Hessen bei Christian Krauß in Angriff genommen.

So stehen wir nun hier, voller Erwartung, was Gott mit diesem Musical noch vor hat. Wir freuen uns darauf, möglichst viele Menschen mit der Botschaft des Musicals zu erreichen. Das Leben Hudson Taylors und sein Vertrauen auf Gott sind uns zu einem leibhaftigen Beispiel geworden. Wir wünschen diese Erkenntnis vielen Zuhörern.

Sei es durch unseren kleinen Beitrag in Form von 'An der Schwelle zu morgen', sei es durch das Leben und Zeugnis eines jeden Christen oder sei es durch die Arbeit der Organisationen, die aus dem Lebenswerg Hudson Taylors hervorgegangen sind.

Danke an alle, die uns dabei unterstützt haben und noch unterstützen 'An der Schwelle zu morgen' unter das Volk zu bringen!

[AK]

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